Energiewende in der Kritik

Strategiewechsel dringend nötig

iStock, gopixa

Das war ein Paukenschlag. Kay Scheller, Präsident des unabhängigen Bundesrechnungshofes, forderte nach einem spektakulären Sonderbericht, dass die Bundesregierung bei der Energiewende dringend umsteuern müsse. Strategiewechsel sind auch in Unternehmen immer dann notwendig, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern oder die Annahmen falsch sind. In der Politik sind strategische Korrekturen jedoch aufgrund von verbohrten Ideologien und komplexen internationalen Finanzinteressen nicht immer einfach. Sie müssen von höherer Stelle initiiert werden. Dazu später mehr. Doch zunächst: Was kritisiert der Bundesrechnungshof?

Kritikpunkte

Die Kritik des Bundesrechnungshofes an der deutschen Energiewende lässt sich in drei Punkten zusammenfassen:

  • Modellrechnungen: Die Annahmen der Energiewende basieren auf einer einseitigen Fokussierung auf regenerativen Energien und einem unrealistischen Best-Case-Szenario in den Modellsimulationen. Das gefährde die Versorgungssicherheit in Deutschland, weil man so sehenden Auges in die Mangellage läuft.
  • Energiepreise: Die Energiewende führe für die deutsche Wirtschaft zu international nicht mehr wettbewerbsfähigen Strom- und Gaspreisen. Auch sei mit weiteren Steigerungen zu rechnen, weil die notwendigen und angekündigten Backup-Kapazitäten in Form von neuen Gas-Kraftwerken nicht vorhanden sind und auch in den nächsten Jahren nicht so schnell gebaut werden können. Die seien aber nötig, um den Flatterstrom in den deutschen Dunkelflauten zu stabilisieren.
  • Umweltschäden: Auch würden die beim Bau und Betrieb von Windrädern und PV-Anlagen-Parks auftretenden Umweltschäden zu wenig berücksichtigt. Das gefährde die Biodiversität. Im hessischen Rainhardswald sollen Windräder sogar in einem der wenigen deutschen Urwälder gebaut werden.

Das alles sind Punkte, auf die Kritiker wie Prof. Hans-Werner Sinn und Prof. Fritz Vahrenholt schon seit Jahren vergeblich hinweisen. Insbesondere Prof. Sinn betont mantraartig immer wieder, dass einseitige deutsche CO2-Reduzierungen nichts bringen, da die dadurch sinkenden internationalen Preise für Öl und Kohle von anderen Ländern dazu genutzt werden, die freiwerdenden Mengen dankbar aufzukaufen. Man müsste die eingesparten fossilen Brennstoffe schon vergraben, um diese Effekte zu vermeiden.

Internationaler Trend

Es stellt sich daher die Frage, warum der Bundesrechnungshof erst jetzt mit seiner Kritik in die Öffentlichkeit geht. Anzunehmen ist, dass die Widerstände in der Wirtschaft und Bevölkerung mittlerweile zu groß sind. Wenn es an das eigene Geld geht, werden Narrative eher hinterfragt. Doch das reicht als Begründung nicht aus.

Es ist vielmehr zu beobachten, dass die Klima- und ESG-Erzählungen in den mächtigen internationalen Finanzkreisen an Bedeutung verlieren.  So haben die weltweit größten Vermögensverwalter bzw. Banken BlackRock, State Street und JPMorgan Chase jüngst ihren Rücktritt aus der Initiative Climate Action 100+ erklärt. Noch wichtiger scheint jedoch, dass Lynn Forester de Rothschild, Gründerin des Councils for Inclusive Capital, des mit über 10 Billionen US-Dollar großen Investmentfonds, in einem Interview mit Bloomberg im August 2023 erklärte, dass es Zeit ist, ESG "in die Tonne" zu treten, weil sich das Narrativ abgenutzt hat.

Das passt auch zur jüngsten Ankündigung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass E-Autos ihren CO2-Vorteil verlieren und das Verbrenner-Aus auf den Prüfstand gestellt werden könnten.

Fazit für Unternehmen

Es scheint so zu sein, dass die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Unternehmen endlich stärker als bisher berücksichtigt werden. Zu groß sind offenbar die negativen Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise auf den Wohlstand der Länder und Bürger. 

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