Mittelständische Unternehmer sollten sich in ihren strategischen Entscheidungen weder durch politische Schönfärberei noch durch düstere Prophezeiungen beeinflussen lassen. Die Wahrheit liegt wie immer meist in der Mitte und variiert je nach Branche. So gibt es auch jetzt wieder Unternehmen, die gutes Geld verdienen. Wichtig ist auf jeden Fall, sich über alle Meinungen und Strömungen ohne Vorbehalte zu informieren und strategisch mit einer guten Portion Realismus zu agieren. Hier ein kurzer Überblick:
Szenario: Alles wird wieder gut
- Die Bundesregierung setzt wenig marktwirtschaftlich auf Interventionen. Dazu wurde die Schuldenbremse entgegen den Wahlversprechen trickreich ausgesetzt. Herausgekommen ist ein neues Sonderprogramm in Milliardenhöhe, das vor allem in die Infrastruktur und Aufrüstung fließen soll. Dazu passt auch die kürzlich in der NATO beschlossene Erhöhung der Militärausgaben auf 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Große Mittelständler wie Trumpf, die bereits in die Verlustzone gerutscht sind, haben daher schon auf Militärprodukte umgestellt.
- Daneben haben im Juli einige deutsche Konzerne gemeinsam mit der Politik eine der größten Investitionsinitiativen der jüngeren Geschichte angekündigt: Im Rahmen der „Made for Germany“-Initiative haben 61 der größten deutschen Firmen – darunter 29 DAX-Konzerne wie BASF, BMW, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Volkswagen und Siemens – Investitionen von insgesamt 631 Mrd. Euro bis 2028 zugesagt. Ziel der Initiative ist es, Innovationen voranzutreiben, Beschäftigung zu schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu stärken.
- Neben direkten Investitionen sind Steuererleichterungen für Unternehmen geplant (u.a. Sonderabschreibungen für neue Anlagen und E-Fahrzeuge, Senkung der Körperschaftsteuer von 15 auf 10 Prozent bis 2028), sowie die Reduzierung der Stromsteuer für die Industrie.
Es bleibt abzuwarten, was von den Ankündigungen tatsächlich umgesetzt wird und was davon nicht ohnehin schon geplant war. Investitionen in Infrastruktur und Rüstungen schaffen jedenfalls keine langfristigen Wohlstandsgewinne, sondern allenfalls eine kurzfristige, öffentlich geförderte Entlastung in der Krise.
Szenario: Es geht weiter bergab
Auf der anderen Seite gibt es die Crash-Propheten, die den Untergang an die Wand malen, zumeist auch um ihre eigenen Services wie Goldhandel und Konferenzen zu vermarkten. Zu empfehlen ist ein nüchterner Blick auf die Faktenlage der Kernindikatoren: Wachstum, Inflation, Produktion, Produktivität, Insolvenzen, Investitionstätigkeit, Arbeitslosigkeit, Auftragslage und Stimmungen. Mit Hilfe von ChatGPT & Co. können Sie in Minutenschnelle selbst recherchieren und durch richtige Prompts beliebig vertiefen. Hier nur als Beispiel Aktuelles zur Auftragslage:
Nach Angaben des ifo Instituts meldeten im Juli 2025 36,7 Prozent der Unternehmen zu wenig Aufträge. Dieser Anteil ist seit April nahezu unverändert und bleibt deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Besonders stark betroffen ist die Industrie: Hier stieg der Anteil der Unternehmen mit fehlenden Aufträgen von 36,8 auf 38,3 Prozent. Im Automobilbau gab es einen deutlichen Anstieg von 35,4 auf 42,6 Prozent. Im Maschinenbau liegt die Quote sogar bei 46,1 Prozent. In der Metallindustrie meldet fast die Hälfte der Betriebe eine unzureichende Auftragslage. Im Großhandel klagen etwa zwei Drittel der Unternehmen über fehlende Aufträge, im Einzelhandel etwa die Hälfte. Im Dienstleistungssektor bleibt die Lage besonders angespannt bei Leiharbeitsfirmen (56,3 Prozent), im Beherbergungsgewerbe (54,2 Prozent) sowie bei Werbeagenturen und Marktforschungsunternehmen (51,4 Prozent).
Fazit
Viele Unternehmer können die ewig gleichen Forderungen der diversen Wirtschaftsverbände an die Politik z. B. nach Bürokratieabbau nicht mehr hören. Sie unternehmen stattdessen etwas, so wie es ihrer Natur entspricht. Viele verlagern ihre Produktion, verkaufen ihr Unternehmen, stellen sich strategisch neu auf oder wagen neue Geschäftsmodelle. Denn es gilt heute mehr denn je: Stillstand bedeut Rückschritt.




