Wirtschaftliche Auswirkungen für den Mittelstand

Krieg in der Ukraine

Die Welt stürzt von einer Krise in die andere. Corona scheint fast überwunden, da erschüttert die russische militärische Invasion in die Ukraine vor allem Europa. Die Bundesregierung, alle Wirtschaftsverbände und die Kreditwirtschaft in Deutschland verurteilen diesen Angriff daher auf das Schärfste. Welche Auswirkungen sind für die deutsche Wirtschaft zu erwarten?

  • Sanktionen: So schwer sie auch fallen, da auch immer unschuldige Bevölkerungsteile betroffen sind, die wirtschaftlichen Sanktionen Russlands sind derzeit aus Sicht von Politik und Wirtschaft gerechtfertigt. Zu den beschlossenen Maßnahmen gehören u.a. der Ausschluss von russischen Banken und Unternehmen von den wichtigsten Kapitalmärkten und Finanzströmen, Verbot von Exporten von Produkten zur Modernisierung russischer Ölraffinierien und Flugzeuge sowie persönliche Einschränkungen von hochrangigen russischen Personen und Einrichtungen.
  • Außenhandel mit Russland: Der Wert deutscher Exporte nach Russland, vor allem Fahrzeuge und Maschinen, betrug 2021 rund 27 Mrd. Euro. Das sind nur 2,3 Prozent vom deutschen Außenhandel. Aus Russland importiert wurden 2021 rund 33 Mrd. Euro. Davon entfallen alleine 19,4 Mrd. Euro auf Öl und Gas. 
  • Außenhandel mit der Ukraine: 2021 betrug der deutsche Außenhandel mit der Ukraine nur rund 8,5 Mrd. Euro. Aus der Ukraine importiert wurden dabei Waren im Wert von 790 Mio. Euro, davon über 50 Prozent Erze und andere Rohstoffe.
  • Energiepreise: Am deutlichsten werden deutsche Unternehmen und Privathaushalte den Ukraine-Krieg an den steigenden Energiepreisen spüren. Öl kostet international bereits wieder weit über 100 US-Dollar pro Barrel. Auch die Preise an der Amsterdamer Gasbörse TTF gehen durch die Decke. Sie liegen bis zu 20 Mal höher als noch vor einem Jahr. Deutschland ist noch abhängig von Russlands Gas- , Öl- und Kohlelieferungen. Ein Embargo würde Deutschland hart treffen, zumal Ersatz etwa durch US-amerikanisches Fracking-Gas aufgrund noch fehlender Entladehäfen nicht so schnell verfügbar und überdies auch teurer wäre. Hinzu kommt das offensichtliche Aus von Nordstream 2. Deutschland wir daher um eine Verlängerung der Laufzeiten von Kohlekraftwerken nicht herumkommen. Selbst für den Betrieb von Kernkraftwerken scheint es ein Umdenken zu geben.
  • Materialmangel: Die Ukraine ist ein osteuropäischer Lieferant u.a. für die Automobilwirtschaft. Durch die aktuelle Situation werden z. B. Kabelbäume knapp, weshalb Automobilhersteller schon wieder Werke herunterfahren. Ansonsten liefern die Ukraine und Russland weltweit beträchtliche Mengen an Düngemittel und Weizen. Bei einem Ausfall sind Preissteigerungen bei Lebensmitteln zu erwarten. Davon betroffen sein könnten vor allem die Länder im Nahen Osten, weshalb dann eine neue Flüchtlingswelle zu befürchten ist.
  • Flüchtlinge: Sie sind schon unterwegs. Denn aus der Ukraine flüchten zahlreiche Menschen vor den Kriegsgefahren. In Deutschland sind bereits über 50.000 eingetroffen. Die Zahl könnte die Millionengrenze übersteigen. Unternehmen helfen bereits durch Job-Angebote. Für Technologieexperten aus der Ukraine wurde z. B. die Job-Börse uatalents.com eingerichtet. 
  • Euro: In Krisenzeiten flüchten aber nicht nur die Menschen, sondern die Menschen auch in krisenfeste Währungen und Edelmetalle. Deshalb steigen aktuell der Dollar im Verhältnis auch zum Euro sowie der Goldpreis, der bereits die 2.000-Dollargrenze für eine Unze erreicht hat. Der schwächelnde Euro ist aber gut für die deutsche Exportwirtschaft, weil sich die Waren im Ausland verbilligen.
  • Finanzen: Die EZB steht vor einem Zielkonflikt. Einerseits muss sie versuchen, die steigende Inflation durch eine Rücknahme der Geldmengenausweitung einzudämmen. Andererseits besteht die Gefahr, dass die Wirtschaft durch dann steigende Zinsen weiter in die Rezession rutscht. Auch für die hochverschuldeten Staaten in Südeuropa dürften steigende Zinssätze problematisch sein. In dieser brisanten Lage befinden sich die Börsen derzeit tendenziell im Abschwung. Anleger sollten die Situation daher genau beobachten.

Ingesamt gesehen wird der Krieg in der Ukraine nicht spurlos an der deutschen Wirtschaft vorbeigehen. Er wirkt als Brandbeschleuniger einer durch Corona ohnehin schon belasteten Wirtschaft. Die Stagflation, also die gleichzeigige Inflation und Rezession, wird in Deutschland wohl eher zu- als abnehmen. Hoffnungen bestehen jedoch darin, dass der eigentlich robuste deutsche Mittelstand mit Innovationen und Tatkraft schnell wieder aus der Krise findet.

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