Investitionen nehmen wieder zu

Chinesen kaufen Mittelständler

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Seit der Augsburger Roboterhersteller 2016 von dem chinesischen Unternehmen Midea gekauft wurde sind die chinesischen Übernahmetransaktionen rückläufig. Doch seit der Corona-Pandemie scheinen die Investitionen wieder anzusteigen.

Aktuelle Studienergebnisse

Das Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung der Hans-Böckler-Stiftung hat die chinesischen Übernahmen in Deutschland untersucht. Zwischen 2011 und 2020 gab es 243 Käufe. In 173 Fällen sind chinesische Investoren als Alleingesellschafter eingestiegen, in 39 Fällen mit einer qualifizierten Mehrheit und bei 31 Übernahmen mit einfacher Mehrheit. Die Spitze der Übernahmen wurde 2016 erreicht. Danach ging die Zahl der M&A-Transaktionen mit chinesischer Beteiligung zurück. Das könnte daran liegen, dass die Chinesen in der Zwischenzeit genügend Know-how aufgebaut haben und der Know-how-Transfer durch schärfere gesetzliche Investitionskontrollen erschwert wurde. Möglicherweise haben chinesische Investoren auch nur bessere Kaufzeiten abgewartet. Hierzu ein Beispiel.

Beispiel Steigenberger Hotels

  • Die chinesische Huazhu-Gruppe hat bereits im November 2019 kurz vor der Corona-Krise die Deutsche Hospitality, zu der auch Steigenberger mit 125 Hotels und 137 Mio. Umsatz (2020) gehört, zur Überraschung vieler Experten übernommen. Die 2005 gegründete chinesische Billighotelkette mit mittlerweile weltweit 6.500 Hotels hatte 2019 einen Umsatz von 1,4 Mrd. Euro und einen Börsenkurs an der US-amerikanischen Nasdaq von 40 Mrd. Euro. Die Deutsche Hospitality kam Ji Qi, dem Huazhu-Gründer, gerade recht, um seine weltweite Expansion voranzutreiben. Die Zahl der Steigenberger-Hotels soll weltweit von 125 auf 700 erhöht werden. Nach der französischen Accor-Gruppe und Jin Jiiang (Radisson) soll Steigenberger die Nr. 3 werden, noch vor Hilton und Marriott.
  • Gelingen soll das mit einer strategischen Neuausrichtung von Steigenberger. Die Hotelkette setzt dabei mit einem neuen Geschäftsführer auf einen zeitgemäßen Luxus. Die dafür notwendigen Umbauten laufen gerade. Zudem wird die Digitalisierung der Hotelprozesse vorangetrieben. Hierbei ist die Huazhu-Gruppe führend. Die IT ist modern und setzt auf datenbasierte Gästebindung.
  • Mit der Übernahme durch Huazhu kamen jedoch nicht nur Kapital und Digitalwissen in die etwas behäbige Deutsche Hospitality, sondern auch harte chinesische Managementpraktiken. Nach Ansicht des Gründers Ji Qi ist Huazhu wie ein LKW, der schnell gefahren werden und daher häufig Kurven schneiden muss. In seinem Buch "Founders Note" fordert er daher von seinen Leuten bedingungslose Gefolgschaft für seinen Wachstumskurs.

Steigenberger ist keine Ausnahme im deutschen M & A-Markt. So hat Tencent kürzlich den Berliner Computerhersteller Yaga Games mit 140 Mitarbeitern übernommen. Aber auch andere ausländische Investoren übernehmen erfolgreiche Mittelständler wie jüngst Hella, Birkenstock und Engel & Völkers. Einige Familien machen offensichtlich Kasse und scheuen die strategischen Herausforderungen nach der Corona-Krise.

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