03.05.2020

Corona-Schadensbilanz

Die wirtschaftlichen Folgen werden sichtbar

Die Bundesagentur für Arbeit meldet fast 10 Millionen Anträge auf Kurzarbeit und eine deutliche Steigerung der Arbeitslosenzahl auf 2,6 Millionen (5,8 Prozent). Das sind in der Bundesrepublik Deutschland noch nie dagewesene Werte. Experten erwarten zudem in den nächsten Wochen und Monaten eine Insolvenzwelle, vor allem in den stark betroffenen Branchen wie Gastgewerbe, Handel, Veranstalter, Kultur, aber auch im produzierenden Mittelstand. Die Kollateralschäden in der Corona-Krise werden allmählich sichtbar. Dagegen verbessern sich die gesundheitlichen Kennzahlen von Tag zu Tag (s. unten). Wirtschaftsverbände fordern daher eine deutliche Lockerung des Shutdowns. BDI-Präsident Dieter Kempf hat der Bundesregierung sogar ein Ultimatum gestellt, am 6.5. für deutliche Klarheit zu sorgen. Denn die deutsche Wirtschaft verliert sonst wöchentlich einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag an Wertschöpfung.

Die Landesregierungen werden angesichts der alarmierenden Zahlen und dem wachsenden Unmut in der Bevölkerung nervös und preschen vor. So hat etwa Sachsen-Anhalt bereits das Kontaktverbot deutlich gelockert. Auch im Saarland, Schleswig-Holstein und Sachsen sind die Öffnungen schon weit, nicht zuletzt auch auf Druck einiger Verfassungsrichter, die in einigen Maßnahmen eine Ungleichheit sehen (z. B. die 800-qm-Regel im Handel).

Corona-Kennzahlen (Stand 3.5.2020)

  • Verdopplungszeit: Diese Kennzahl zeigt den exponentiellen Verlauf der Virusverbreitung. Beim Shutdown Mitte März stand sie im Fokus von Kanzlerin Merkel. Als Ziel nannte sie 10 Tage. Die Zahl der Infizierten durfte sich demnach erst nach 10 Tagen verdoppeln. Dieser Wert war schnell erreicht, weshalb er auf 14 erhöht wurde. Als auch diese Hürde schnell genommen wurde, gab es plötzlich einen Wechsel auf die Reproduktionszahl. Mittlerweile liegt die Verdopplungszeit bei über 70 Tage (Johns Hopkins CSSE, auf faz.de veröffentlicht).
  • Reproduktionszahl: Diese neue zentrale Kennziffer im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie soll nach Aussagen von Bundeskanzlerin Merkel unter 1 liegen. Dann gibt ein Infizierter das Virus im Durchschnitt an weniger als einen Menschen weiter. Dabei liegt diese Kennzahl nach Angaben des RKI (Bulletin 17) schon seit dem 23.3.2020 unter 1. Aktuell liegt sie bei 0,8.
  • Zahl der freien Intensivbetten: Die drastische Beschränkung der Grundrechte wird dadurch begründet, dass die Kapazität an Intensivbetten für Schwerstinfizierte aufgestockt werden muss. Mittlerweile hat das RKI eine Plattform aufgebaut, die zeigt, dass in Deutschland aktuell über 13.000 Intensivbetten frei sind. Das sind über 40 Prozent.
  • Sterblichkeitsrate: Wie gefährlich das Corona-Virus tatsächlich ist, zeigt sich letztlich an der Anzahl der Todesfälle. Die sogenannte Letalitätsrate ergibt sich aus der Zahl der Todesfälle in Bezug zu der Zahl der Infizierten. In einer Feldstudie in Heinsberg ist Prof. Hendrik Streek vom Bonner Institut für Virologie auf eine Quote von unter 0,37 Prozent gekommen. Die Studie ist zwar regional begrenzt, aber die einzige Praxisquelle in Deutschland neben den ganzen Mutmaßungen. Diese Quote kann man beliebig beeinflussen. Sie sinkt, wenn z. B. die Zahl der Infizierten erhöht wird, was bei einer hohen Dunkelziffer wahrscheinlich ist. Sie steigt, wenn möglichst viele Tote als Corona-Tote gelten. Aktuelle Obduktionen an der Uniklinik Hamburg z. B. zeigen, dass fast alle Corona-Tote fast 80 Jahre alt und erheblich vorerkrankt waren.
  • Übersterblichkeit: Ist die Zahl der Toten in Deutschland seit Beginn 2020 durch Corona stärker gestiegen als normal? Wenn ja, hätten wir eine sogenannte Übersterblichkeit. Offizielle Zahlen der Bundesregierung und des RKI gibt es dazu derzeit nicht. Nach den Zahlen von Euromodo ist eine Übersterblichkeit in Deutschland derzeit nicht erkennbar.
  • Neuinfiziertepro Tag: Nach RKI-Angaben (Dashboard) liegt die Zahl der Neuinfizierten pro Tag in Deutschland mittlerweile unter 800 (Ende März in der Spitze bei über 6.000).

Eine aktuelle Studie des weltweit renommierten Gesundheitswissenschaftlers und Statistikers John Ioannidis von der US-amerikanischen Stanford University kommt übrigens zu dem Ergebnis, dass Covid-19 nicht gefährlicher ist als eine übliche Grippe.

Dr. Michael Peschke

Geschäftsführer BPF Best Practice Forum GmbH

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