13.05.2022

Smart Contracts

Intelligente Verträge

Der Wandel von der analogen in die digitale Welt macht auch vor klassischen Verträgen nicht halt. Smart Contracts, also digitale, automatisiert über eine Blockchain abgewickelte Verträge, werden trotz bestehender Anfangsschwierigkeiten immer populärer. Was das bedeutet, lesen Sie hier.

Funktionsweise

Intelligente Verträge basieren auf Wenn-Dann-Beziehungen, die z. B. beim Geldautomaten schon lange gelten: Wenn eine Kreditkarte mit gültiger PIN eingeschoben wird, dann gibt es den gewünschten Geldbetrag. Bei smarten Verträgen werden diese Voraussetzungen nun programmiert (codiert).

Abgewickelt werden smarte Verträge über eine Blockchain. Das ist eine besonders gesicherte Datenbank, die auch bei Kryptowährungen wie Bitcoin eingesetzt wird. Wie der Name „Blockchain“ schon sagt, werden einzelne Transaktionen (etwa eine Bitcoin-Überweisung) in Blöcke wie bei einem Kontobuch geschrieben und miteinander durch kryptografische Verschlüsselungen verkettet sowie dezentral auf vielen Rechnern gespeichert. Alle Einträge (Transaktionen) sind unveränderlich, transparent und können durch Hacker nicht attackiert werden.

Anwendungen

Wenn bestimmte hinterlegte vertragliche Bedingungen erfüllt sind, können über Smart Contracts z. B. Gelder überwiesen, Wertpapiertransaktionen abgewickelt, Fahrzeuge zugelassen, Nachrichten versendet, Maschinen betrieben, Tickets ausgestellt werden.

Ein weiteres zentrales Anwendungsfeld ist der Welthandel. Smarte Verträge steuern dann automatisiert die gesamte Lieferkette (Supply Chain). IBM und Maersk haben hierfür die Plattform Tradelens gegründet, an der sich viele Häfen beteiligen.

Die Abwicklung über Smart Contracts ist schnell, kostengünstig und fehlerfrei. Der Mensch wird dafür jedoch immer weniger benötigt. Geschäfte werden zwischen Maschinen und Geräten direkt erledigt, etwa zwischen einem Auto und einer Parkuhr.

In Amerika kam der Smart Contract 2014 erstmals sogar bei einer Eheschließung zum Einsatz. Die Eheleute mussten sich dafür noch nicht einmal am gleichen Ort befinden, sondern wurden durch das Scannen eines QR-Quotes verheiratet. Hierzulande ist das noch nicht möglich. Ebenso unzulässig ist auch die Übertragung von Immobilien durch Smart Contracts. Das Bürgerliche Gesetzbuch verhindert bislang diesen Einsatz und fordert die Beurkundung durch einen Notar.

Wirkungen

Smart Contracts bergen sozialen Sprengstoff, da sie weniger Personal benötigen. Wenn die Menschen bald eine digitale ID auf ihrer App haben sowie leistungsfähige Kameras und Sensoren überall installiert sind, wird man z. B. in Digital Stores autark einkaufen und in Bus und Bahn ohne Ticket einsteigen und Maut-Autobahnen ohne Anhalten befahren können. Die Bezahlung erfolgt dann automatisiert über die persönliche ID-App.  

Tech-Fans träumen bereits von der Distributed Autonomous Organization (DAO), einem menschenleeren vollautomatisierten Unternehmen, in dem Künstliche Intelligenz, Roboter, Maschinen und smarte Verträge das Geschehen beherrschen.

Rechtliches

Doch das wird alles noch dauern. Noch bestehen rechtliche Unklarheiten, wie eine Stellungnahme des Bundestages nach einer FDP-Anfrage ausführt. Was passiert, wenn die zugesagte Lieferung nicht oder mangelhaft erfolgt? Wer sorgt dann für die Rückabwicklung und Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen? Gibt es dafür eine dritte Instanz oder eine Schiedsstelle? Sind Smart Contracts eine eigene Rechtspersönlichkeit, die auch besteuert werden kann?

Denkbar sind auch dynamische Verträge, die sich anpassen, wenn bestimmte Klauseln greifen. So könnte z. B. eine KFZ-Versicherung einen besonders günstigen Vertrag für vorsichtiges Fahren anbieten. Kontrolliert wird das dann durch die Bordelektronik. Fährt der Versicherungsnehmer dann zu schnell oder rücksichtslos, werden die Preise automatisch erhöht. Das Prinzip lässt sich auch auf Krankenversicherungen oder umweltschonendes Verhalten übertragen.

Der Gesetzgeber muss also noch viel klären. Doch aufhalten wird sich die neue digitale Vertragswelt nicht. Zu groß sind die Kosteneinsparpotenziale und damit die weiteren Gewinnmöglichkeiten für Unternehmen.

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