25.03.2022

Inflationstrends

Vorboten weiterer Preissteigerungen

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Februar 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,1 Prozent gestiegen, obwohl die Sondereffekte durch die Mehrwertsteuersenkung 2020 weggefallen sind. Experten erwarten auch für die nächsten Monate eine Fortsetzung des Anstiegs.

Geldmengenausweitung

Der frühere Chef des ifo-Instituts Professor Hans-Werner Sinn hat die Zusammenhänge der Inflationsgefahr in seinem neuen Buch „Die wundersame Geldvermehrung“ im Detail und sehr anschaulich dargestellt. Grundlage allen Übels ist die extreme Ausweitung der Geldmenge durch die EZB, die sich in den letzten zwei Jahren der Corona-Krise noch beschleunigt hat. Durch verschiedene Programme zum Ankauf von Staatsanleihen beträgt der Geldüberhang mittlerweile rund sechs Billionen Euro. Hinzu kommt die anhaltende Nullzinspolitik der EZB, die die hochverschuldeten südeuropäischen Staaten über Wasser hält, aber vor allem die deutschen Sparer indirekt enteignet. 

Nach Auffassung von Hans-Werner Sinn hat die Geldflut die Realmärkte bisher noch nicht erreicht. Sie liegt nach seinen Worten noch in den Horten, also auf den EZB- und Bankkonten. Sollte aber die Ausgabenfreude nach dem Ende der Corona-Beschränkungen Ende März auch aufgrund zunehmender Inflationserwartungen steigen, besteht die Gefahr einer galoppierenden Superinflation. Verstärkt wird diese Tendenz noch durch weitere Faktoren.

Verstärker der Inflation

  • Erzeugerpreise: Die Preise der Hersteller gewerblicher Produkte, die als Frühindikatoren gelten, sind im Januar 2022 um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das ist der höchste Wert seit 1949.
  • Großhandelspreise: Die Verkaufspreise dort sind im Januar 2022 um 16,2 Prozent gegenüber Januar 2021 gestiegen.
  • Importpreise: Sie waren im Dezember 2021 um 24 Prozent höher als im Vorjahresmonat. 
  • Lohn-Preis-Spirale: Der Mindestlohn soll um rund 25 Prozent steigen. Auch in anderen Branchen zeichnen sich erhebliche Lohnerhöhungen ab, die dann wiederum die Verbraucherpreise treiben.
  • Lieferketten: Die globalen Lieferketten, vor allem die Handelswege aus China und den USA, sind noch immer massiv gestört. Es herrscht nach wie vor Knappheit an Waren und Transportmöglichkeiten. Hinzu kommt in Deutschland die schlechte Infrastruktur. So sind wichtige Autobahnbrücken (z. B. auf der A 45 bei Lüdenscheid und auf A 1 bei Leverkusen) auf Jahre gesperrt. Das treibt die Transportkosten weiter.
  • Produktionsstopp: Das Angebot an Produkten und Dienstleistungen ist nicht nur durch fehlende Rohstoffe, sondern auch durch die Corona-Maßnahmen reduziert. Quarantäne und Fachkräftemangel lassen die Produktion sinken.
  • Politische Kostentreiber: Nicht zuletzt sind staatliche Abgaben, bürokratische Regeln und dirigistische Eingriffe direkt verantwortlich für z. B. steigende Energiepreise.

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